Steuervergünstigungen bei Abfindungen, Zahlungen für mehrjährige Tätigkeiten, Aktienoptionen sowie bei Verkauf oder Betriebsaufgabe von Unternehmern bzw. Freiberuflern:
Mehr Netto vom Brutto

Während bei Verkauf oder Betriebsaufgabe attraktive steuerliche Möglichkeiten bestehen können, ist bei Abfindungen, Zahlungen für mehrjährige Tätigkeiten und Aktienoptionen nur die Fünftelregelung zulässig. Freibeträge für Abfindungen gibt es nicht mehr. Die Fünftelregelung ist eine Tarifermäßigung (Tarifglättung) bei der Einkommensteuer, von der allenfalls Durchschnittsverdiener profitieren. Hierbei werden die außerordentlichen Einkünfte rechnerisch zu einem Fünftel angesetzt und die hierauf anfallende Einkommensteuer anschließend verfünffacht. Vorteile ergeben sich nur bei laufenden zu versteuernden Einkommen unter 52.882 EUR (Ledige, verheiratete das Doppelte), weswegen die Fünftelregelung oftmals nur ein Trostpflaster ist.

Fünftelregelung

Bei Vergütungen für mehrjährige Tätigkeit, wie insbesondere Abfindungen oder Aktienoptionen, ebenso wie beim Verkauf oder der Betriebsaufgabe von Personenunternehmen bzw. Freiberuflern oder Anteilen an Personenunternehmen bzw. Freiberuflern und anderen außerordentlichen Einkünften, ist grundsätzlich die sog. Fünftelregelung anzuwenden, die zu einer Abmilderung der Besteuerung führen kann. Hierbei werden die betroffenen Einkünfte rechnerisch nur zu einem Fünftel angesetzt und die hierauf anfallende Einkommensteuer anschließend verfünffacht. Vorteile ergeben sich nur bei regulären zu versteuernden Einkommen unter 52.882 EUR (getrennte Veranlagung) bzw. 105.762 EUR (Zusammenveranlagung), da diese bereits beim Spitzensteuersatz von 42% angekommen sind (bei noch höheren Einkünften inklusive „Reichenzuschlag“ von 45%) und nur unterhalb dieser Grenzen von der Senkung des Spitzensteuersatzes profitiert wird. Damit „verpufft" die Fünftelregelung in praxi oftmals wirkungslos.

Wird hingegen rechtzeitig gehandelt und dagegen gesteuert, kann sich die Fünftelregelung gut für steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten und Optimierungen eignen. Grundsätzlich gilt die Fünftelregelung übrigens für alle Einkunftsarten.

Ermäßigter Steuersatz

Alternativ zur Fünftelregelung ist beim Verkauf oder der Betriebsaufgabe von Personenunternehmen bzw. Freiberuflern oder Anteilen an Personenunternehmen bzw. Freiberuflern, auf Antrag ein ermäßigter Steuersatz auf den Veräußerungsgewinn anzuwenden (§§ 16, 34 EStG). Ggf. wird darüber hinaus ein Freibetrag gewährt. Der Antrag ist an Bedingungen geknüpft: einmal im Leben, ab 55. Lebensjahr oder bei dauernder Berufsunfähigkeit, Privatvermögen, maximal bis 5 Mio. EUR. Der ermäßigte Steuersatz beträgt 56% des regulären Steuersatzes, mindestens 15%. Auch hier können Optimierungen, z.B. wenn der ermäßigte Steuersatz schon „verbraucht“ ist oder das 55. Lebensjahr noch nicht erreicht worden ist, bei entsprechenden Sachverhalten gestaltbar sein.

Teileinkünfteverfahren

Werden Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) oder Anteile daran veräußert, so ist wie auch für laufende Erträge aus Kapitalgesellschaften – im Privatvermögen – grundsätzlich die Abgeltungssteuer anzuwenden. Abweichend hiervon, ist auf Antrag für Kapitalerträge aus Dividenden sowie aus Veräußerungen, die Besteuerung nach dem sogenannten Teileinkünfteverfahren vorzunehmen. Voraussetzung für die Antragstellung ist entweder eine Beteiligung an der Kapitalgesellschaft von mindestens 25% oder eine Beteiligung von mindestens 1%, wenn der Beteiligte zugleich für die Gesellschaft beruflich tätig ist. Durch das Teileinkünfteverfahren (§ 3 Nr. 40 EStG) werden nur 60% der Einkünfte der tariflichen Besteuerung zugrunde gelegt (ggf. Freibetrag). Fünftelregelung oder ermäßigter Steuersatz sind bei Kapitalgesellschaften nicht anwendbar. Aber auch hier können Optimierungen bei entsprechenden Sachverhalten gestaltbar sein.

Während das Teileinkünfteverfahren bzw. die Anwendung des ermäßigten Steuersatzes bei Erfüllen der Voraussetzungen relativ unproblematisch ist, gestaltet sich die Anwendung der Fünftelregelung kompliziert.

Voraussetzung und Gestaltungsmöglichkeiten der Fünftelregelung bei Abfindungen

Abfindungen sind wie laufender Arbeitslohn voll steuerpflichtig, sofern die Voraussetzungen der Fünftelregelung nicht vorliegen. Die wesentliche Voraussetzung für die Anwendung der Fünftelregelung ist die sogenannte Zusammenballung der Einkünfte. Entsprechend ist die Fünftelregelung regelmäßig nicht anwendbar, wenn die Zahlung verteilt auf zwei oder mehr Kalenderjahre erfolgt (nicht zusammengeballt in einem Veranlagungszeitraum). Die Beurteilung ob in praxi eine Zusammenballung vorliegt, kann problematisch sein.

Da die Abfindung im Zuflusszeitpunkt besteuert wird, muss, damit eine Zusammenballung vorliegt, die Abfindung i.d.R. insgesamt innerhalb eines einzigen Veranlagungszeitraumes ausbezahlt werden, (eine Verschiebung der gesamten Auszahlung ins Folgejahr ist grundsätzlich möglich). Wenn Leistungen zusätzlich zur Abfindung in Folgejahren gewährt werden, kann es zu erheblichen Steuernachforderungen kommen, weil damit keine Zusammenballung mehr gegeben ist.

Um die Fünftelregelung nicht zu gefährden, sollte beachtet werden:

  • Mehrere Auszahlungen in einem Veranlagungszeitraum sind für die Fünftelregelung unschädlich. Dagegen sind Abfindungen, die auf zwei oder mehrere Zeiträume verteilt werden, nicht steuerbegünstigt.
  • Sofern keine Möglichkeit besteht im Jahr der Beendigung des Arbeitsverhältnisses die laufenden Einkünfte weitgehend zu reduzieren bzw. mit negativen Einkünften zu verrechnen und sofern im Folgejahr mit wesentlich geringeren Einkünften gerechnet wird, kann es von Vorteil sein, die Abfindung erst im nächsten Jahr auszahlen zu lassen. Je geringer die Summe der laufenden Einkünfte dann im Folgejahr ist, desto größer ist die steuerliche Wirkung der „Fünftelregelung“ im Folgejahr. Zu beachten ist, ob auch im Folgejahr noch eine Zusammenballung der Einkünfte vorliegt.
  • Je höher das Gehalt (genauer das gesamte laufende zu versteuernde Einkommen zusammen mit allen anderen Einkunftsquellen), desto geringer die Steuervorteile durch die Fünftelregelung. Daher kann es sich durchaus lohnen, statt der relativ geringen Ersparnis bei Anwendung der Fünftelregelung, Zusatzleistungen über mehrere Jahre hinweg zu wählen.
  • Planwidriger Zufluss
    Sofern die Vereinbarung bezüglich des Auszahlungszeitpunktes im Auflösungsvertrag eindeutig auf einen einmaligen Zufluss gerichtet ist, es aber dennoch zu einem planwidrigen Zufluss in mehreren Veranlagungszeiträumen kommt, kann der Steuerpflichtige den Antrag beim Finanzamt stellen, dass der später gezahlte Korrekturbetrag in den ersten Veranlagungszeitraum zurückbezogen wird. Damit ist die Anwendung der Fünftelregelung gerettet.
    So wird bei Rechtsstreitigkeiten bezüglich der Höhe der Abfindung, wenn später eine Nachzahlung an den Arbeitnehmer erfolgt, aus Billigkeitsgründen der Nachzahlungsbetrag in den ersten Veranlagungszeitraum zurückbezogen. Voraussetzung hierfür ist, dass der ausgeschiedene Arbeitnehmer keinen Ersatzanspruch hinsichtlich einer aus der Nachzahlung resultierenden eventuellen ertragsteuerlichen Mehrbelastung gegenüber dem früheren Arbeitgeber hat.
  • Die gesamte Abfindung muss innerhalb eines Jahres zufließen. Da auch Nutzungsvorteile und Renten zur Abfindung gehören, ist Vorsicht geboten bei Abfindungsbestandteilen, die nicht innerhalb eines Jahres zufließen.
  • Die Entlassungsentschädigung muss die Einkünfte, die der Arbeitnehmer bei Fortsetzung des Dienstverhältnisses bis zum Ende des Jahres der Beendigung des Arbeitsverhältnisses bezogen hätte, übersteigen (=Zusammenballung). Dann ist die Fünftelregelung anwendbar, und zwar im Jahr der Auszahlung der Abfindung.
  • Übersteigt die Abfindung betragsmäßig nicht die entgangenen Einkünfte bis zum Ende des Jahres der Beendigung des Arbeitsverhältnisses, gilt Folgendes:
  • Der Abfindung sind sämtliche Einkünfte hinzuzurechnen, die bedingt durch den Verlust des Arbeitsplatzes erstmalig erzielt werden, z.B. Einkünfte aus einem neuen Dienstverhältnis, Kapitaleinkünfte aus der Anlage der Entlassungsentschädigung oder Einkünfte infolge Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit.
  • Übersteigt dann der sich so ergebende Betrag die Einkünfte des Jahres, das Sie im Vorjahr vor der Beendigung des Dienstverhältnisses aus dem aufgelösten Arbeitsverhältnis erzielt haben, ist die Fünftelregelung ebenfalls anwendbar, und zwar wiederum in dem Jahr der Auszahlung der Abfindung.
  • Vorsicht ist geboten bei Auszahlung einer Abfindung erst im Folgejahr, wenn im Folgejahr keine Ersatzeinkünfte erzielt werden. Dann liegt nämlich ggf. keine Zusammenballung mehr vor, sofern die Abfindung nicht ein früheres Jahresbruttoeinkommen übersteigt.
  • Eine erneute Anwendung der Fünftelregelung auf die Abfindung, wenn diese im Vorjahr bereits aus anderem Rechtsgrund angewandt wurde (z.B. Aktienoption) ist zulässig.

Vorrangiger Gestaltungsparameter bei der Fünftelregelung ist die Verringerung der laufenden Einkünfte im Veranlagungszeitraum durch die – proaktive – Nutzung von steuerlichen Verlusten, um in den niedrig besteuerten Teil unterhalb des Spitzensteuersatzes zu kommen. Die Möglichkeit der Steuerreduzierung durch die Anwendung der Fünftelregelung macht es deshalb erforderlich, sich zeitnah über die aktuelle Einkünftesituation klar zu werden, um Gestaltungsmöglichkeiten wahrnehmen zu können. Damit kann die Wirkung der Fünftelregelung erheblich verbessert werden.

Denn: Sofern im laufenden Jahr keine weiteren laufenden Einkünfte erzielt werden, bzw. die Summe der Einkünfte, z.B. durch Verlustausgleich mit anderen Einkunftsquellen, nicht positiv ist, können durch die Fünftelregelung sogar unerwartet hohe Steuerspareffekte erzielt werden. Es kann hierzu anzustreben sein, die laufenden Einkünfte durch Verlustausgleich zu kompensieren. Nicht in den Verlustausgleich einzubeziehen sind jedoch die – ab 2009 – der Abgeltungssteuer unterliegenden Kapitaleinkünfte.

Verluste können sich beispielsweise ergeben durch Anlaufverluste bei Aufnahme einer gewerblichen oder selbständigen Tätigkeit (Achtung Zusammenballung muss vorliegen), durch den sog. Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG von 40% für künftige gewerbliche bzw. selbständige Investitionen bzw. der Sonderabschreibung von 20% (zuzüglich „normaler“ Abschreibung – AfA) für gewerbliche bzw. selbständige Investitionen im laufenden Jahr. Diese Verluste sind primär mit laufenden Einkünften und erst sekundär mit außerordentlichen (a.o.) Einkünften zu saldieren – vorrangige Verlustverrechnung mit laufenden Einkünften. Aus dem Zusammenspiel von Verlusten und Fünftelregelung kann ein fünffacher Vorteil (Anwendung fünffacher Progressionszone für die a.o. Einkünfte) entstehen. Da die voll besteuerten laufenden Einkünfte durch Verluste zuerst kompensiert werden, „rutschen“ die a.o. Einkünfte in die Progressionszone und damit in die niedrigere Besteuerung – und das fünfmal.

Bei der Planung der Einkünftesituation im Jahr der Auszahlung der Abfindung sollte man sich daher mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Welche Summe von laufenden Einkünften ergibt sich aus allen Einkünften (gewerbliche Einkünfte, freiberufliche Einkünfte, Vermietung und Verpachtung, sonstige Einkünfte, ab 2009 ohne die der Abgeltungssteuer unterliegenden Kapitaleinkünfte) im betreffenden Jahr insgesamt?
  • Wie hoch werden die voraussichtlichen Einkünfte im Folgejahr sein?
  • Werden persönlich oder durch den Ehepartner im Jahr der Beendigung des Arbeitsverhältnisses Verluste aus gewerblicher oder freiberuflicher Tätigkeit, z.B. durch Beginn einer selbständigen Tätigkeit erzielt?
  • Werden persönlich oder durch den Ehepartner Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielt? Besteht die Möglichkeit im Jahr der Abfindung hohe Instandhaltungsaufwendungen bei einer vermieteten Immobilie zu tätigen, um einen Verlust aus Vermietung und Verpachtung zu erreichen? Besteht ggf. die Möglichkeit im Jahr der Abfindung eine im ersten Jahr verlustbringende Immobilie zu erwerben (Denkmalschutz)?
  • Kann der sog. Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG für künftige gewerbliche bzw. selbständige Investitionen (z.B. in eine Photovoltaikanlage) in Frage kommen? Damit werden im ersten Jahr durch sofort abzugsfähige Kosten Verluste erzielt und in späteren Jahren entsprechende Einkünfte.
  • Die Gestaltungsmaßnahmen müssen, damit sie den erwünschten steuerlichen Effekt bringen, spätestens bis zum Jahresende der Abfindungsauszahlung abgeschlossen bzw. vereinbart sein.
  • Ist dies nicht möglich ist zu prüfen, ob durch den Verlustabzug nach § 10d EStG (Verlustrücktrag), ein rücktragsfähiger Verlust vom Folgejahr in das laufende Jahr zurückprojiziert werden kann.
  • Bei Zusammenveranlagung freiwillige getrennte Veranlagung prüfen.
  • Zur Absicherung sollte in jedem Fall vor Durchführung einer Gestaltungsmaßnahme eine steuerliche Beratung eingeholt werden.
  • Der Arbeitnehmer darf an der Auflösung des Arbeitsverhältnisses mitwirken, z.B. durch Vergleich. Erforderlich ist aber, dass bei der einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses eine Zwangslage, ein nicht unerheblicher rechtlicher, wirtschaftlicher oder tatsächlicher Druck gegeben war.
  • Sofern die Summe aller Abfindungszahlungen nicht das durch die Kündigung bis zum Jahresende entgehende Gehalt übersteigt, muss geprüft werden, ob überhaupt eine Zusammenballung vorliegt. Als Abfindung gelten alle Leistungen des Arbeitgebers, die nicht steuerfrei gemäß § 3 EStG sind und nicht als lebenslange Leistungen gezahlt werden.
  • Lebenslange Bar- oder Sachleistungen, Betriebliche Altersversorgung:
    Bar- oder Sachleistungen sind, sofern sie lebenslänglich gezahlt werden, keine Einkünfte im Sinne der Fünftelregelung und stehen damit für eine begünstigte Besteuerung der übrigen gezahlten Entlassungsentschädigungen nicht im Weg.
    Ohne Risiko kann daher der Mitarbeiter aushandeln, dass der Arbeitgeber den Beginn einer lebenslangen Betriebsrente vorzieht, sofort fällig stellt, oder auf Kürzungen der Rente verzichtet.
    Auch eine zum Ausscheidezeitpunkt erstmals eingeräumte lebenslange Sachleistung, wie z.B. ein verbilligtes oder unentgeltliches Wohnrecht, ist für die ermäßigte Besteuerung unschädlich.
    Soweit ein Altvertrag für Direktversicherungen vorliegt (vor 2005) und unverändert die pauschale Besteuerung gewählt ist, kann im Rahmen der Abfindung eine nur mit 20% pauschal besteuerte Nachzahlung in die Direktversicherung vereinbart werden. Diese Nachzahlung errechnet sich aus den Dienstjahren, vervielfacht mit 1.752 EUR gekürzt um die tatsächlich pauschal versteuerten Beträge im Jahres des Ausscheidens und der vorausgegangenen sechs Jahre (Vervielfältigerregel).
    Eine weitere Alternative ist es einen Betrag bis zu 20.000 € (Verheiratete das Doppelte) in eine sog. Basis-Rente (eigene kapitalgedeckte Altersversorgung gem. § 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG) einzubezahlen.
    Des weiteren kann eine Pensionszusage in geeigneten Fällen vereinbart werden.
  • Outplacementberatung:
    Leistungen, die der frühere Arbeitgeber dem Steuerpflichtigen neben der Hauptentschädigungsleistung für eine gewisse Übergangszeit in späteren Veranlagungszeiträumen zur Erleichterung des Arbeitsplatz- oder Berufswechsels erbringt, berühren die Zusammenballung nicht, soweit diese insgesamt niedriger sind, als die tarifliche Steuerbegünstigung für die Hauptleistung.
  • (Achtung: nur eingeschränkt möglich) Weitere Nutzung des KFZ, eines Mobiltelefons, Büroeinrichtungen, etc. für eine gewisse Zeit:
    Hinweis: Wird neben der Hauptentschädigungsleistung ein Dienstwagen auch im Folgejahr unentgeltlich zur Verfügung gestellt, liegt insgesamt keine steuerbegünstigte Entschädigung vor, weil die gesamte Entschädigung nicht innerhalb eines Veranlagungsjahres vollständig zugeflossen ist. Etwas anderes gilt, wenn der Dienstwagen bereits im Arbeitsvertrag für den Fall der Beendigung des Arbeitsverhältnisses für eine gewisse Zeit zugesagt worden ist.
  • (Achtung: riskant) Weitere Mitarbeiterrabatte für eine gewisse Zeit:

Abfindung erhöht Steuerprogression:

Da die Abfindung zusätzlich zu den laufenden Einkünften anfällt, kommt es zur Erhöhung der Steuerprogression. Der Spitzensteuersatz i.H.v. 44,31 % inklusive Solidaritätszuschlag (2010) ohne Kirchensteuer, greift ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.881 EUR (getrennte Veranlagung) bzw. 105.762 EUR (Zusammenveranlagung). Der Spitzensteuersatz inklusive Solidaritätszuschlag (2010) ohne Kirchensteuer erhöht sich weiter ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 250.000 / 500.000 EUR auf 47,475%. Deswegen, insbesondere zusammen mit der zusätzlichen Kirchensteuer, verbleibt oftmals netto nur knapp die Hälfte der vereinbarten Abfindung.

Berechnung der Fünftelregelung
Wie bereits erläutert, soll die Fünftelregelung die Besteuerung von außerordentlichen Einkünften (z.B. bei Abfindung oder Unternehmensverkauf) mildern. Die Berechnung geschieht in zwei Schritten:

  1. Zuerst wird die Steuer auf ein Fünftel ermittelt
  2. Diese Steuer wird wieder mit Fünf multipliziert.

Abfindung kommt zum laufenden Einkommen dazu
Bei laufenden zu versteuernden Einkommen über 52.882 EUR (getrennte Veranlagung) bzw. 105.762 EUR (Zusammenveranlagung), ist für Einkünfte darüber hinaus bereits der Spitzensteuersatz von 42% erreicht. Kommt die Abfindung oben drauf, wird auch ein Fünftel hieraus mit dem Spitzensteuersatz versteuert. Die Wirkungsweise der Fünftelregelung verpufft. Bei geringeren laufenden zu verteuernden Einkommen, kann die Fünftelregelung hingegen einen fünffachen Vorteil entfalten, da der Vorteil der niedrigen progressiven Steuer sich verfünffacht.

Optimale Wirkung der Fünftelregelung
Die  Fünftelregelung führt regelmäßig zu einer optimalen Besteuerung, wenn die laufenden Einkünfte auf Null reduziert werden, da sich dann der volle Vorteil aus niedriger Besteuerung verfünffacht.

Beispiel bei Abfindung 50.000 EUR ohne laufendes Einkommen

  1. Zuerst wird die Steuer auf ein Fünftel = 10.000 EUR ermittelt; Die Einkommensteuer hierauf ist 0 EUR  (Zusammenveranlagung/Splittingtabelle)
  2. Diese Steuer von 0 EUR wird mit Fünf multipliziert. Die Einkommensteuer auf die Abfindung von 50.000 EUR ist 0 EUR

Gestaltungsmöglichkeiten
Wird rechtzeitig gehandelt und dagegen gesteuert, kann sich die Fünftelregelung also gut für steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten und Optimierungen eignen. Möglichkeiten die laufenden Einkünfte auf Null zu reduzieren, ergeben sich z.B. durch eine Verschiebung der Abfindung ins Folgejahr ohne laufende Einkünfte, durch Verluste aus Selbständigmachung, Immobilien u.ä.  oder durch den Investitionsabzugsbetrag. Grundsätzlich gilt die Fünftelregelung übrigens für alle Einkunftsarten.

Abfindungsbeispiele (siehe Abfindungsrechner)

Beispiel 1 ohne Verluste:
Ledig, laufendes zu versteuerndes Einkommen 50.000 EUR, Abfindung 100.000 EUR

13.554 EUR = Steuer auf laufendes Einkommen
44.208 EUR = Steuer auf Abfindung
57.762 EUR = fällige Steuer insgesamt
Hinweis: ESt inkl. SolZ ohne Kirchensteuer

Variante Beispiel 1 mit Verlusten:
Ledig, laufendes zu versteuerndes Einkommen 50.000 EUR ./. Verluste -50.000 EUR = 0 EUR, zuzüglich Abfindung 100.000 EUR

0 EUR = Steuer auf laufendes Einkommen
14.248 EUR = Steuer auf Abfindung

14.248 EUR = fällige Steuer nach Verlustabzug insgesamt
Steuerminderung 43.514 EUR
Hinweis: ESt inkl. SolZ ohne Kirchensteuer

Ergebnis: Fünftelregelung + Verluste = überproportionale Steuerersparnis
Der Verlust von 50.000 EUR führt zu einer Steuerersparnis von 43.514 EUR entsprechend 87%.

Beispiel 2 ohne Verluste:
Verheiratet, laufendes zu versteuerndes Einkommen 80.000 EUR, Abfindung 220.000 EUR

  19.006 EUR = Steuer auf laufendes Einkommen
  93.478 EUR = Steuer auf Abfindung
112.484 EUR = fällige Steuer insgesamt
Hinweis: ESt inkl. SolZ ohne Kirchensteuer

Variante Beispiel 2 mit Verlusten:
Verheiratet, laufendes zu versteuerndes Einkommen 80.000 EUR ./. Verluste -80.000 EUR = 0 EUR, zuzüglich Abfindung 220.000 EUR

           0 EUR = Steuer auf laufendes Einkommen
  34.280 EUR = Steuer auf Abfindung
  34.280 EUR = fällige Steuer nach Verlustabzug insgesamt
Steuerminderung 78.204 EUR
Hinweis: ESt inkl. SolZ ohne Kirchensteuer

Ergebnis: Fünftelregelung + Verluste = überproportionale Steuerersparnis

Der Verlust von 80.000 EUR führt zu einer Steuerersparnis von 78.204 EUR entsprechend 98%.

 

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